Übersäuerung mit Teststreifen messen

Kann man eine Übersäuerung des Körpers überhaupt mit Teststreifen messen? Im Zusammenhang mit dieser wird häufig die Urin-Messung mit sogenannten Indikatorstreifen empfohlen. Doch ist diese tatsächlich aussagekräftig? Wie funktioniert überhaupt eine solche Messung? Gibt es vielleicht doch bessere Möglichkeiten, um festzustellen ob man übersäuert ist? Diese Fragen und mehr werde ich in meinem Artikel beantworten.

Was ermittelt eine pH-Wert Messung des Urins

Den pH-Wert des Urins kann man mit Indikatorstreifen ganz einfach selbst messen. Beachtet man gewisse Vorgaben, lassen sich auch zuverlässige Ergebnisse damit erzielen. Jedoch kann eine pH-Messung des Urins keinen Aufschluss darüber geben, ob eine chronische Übersäuerung im Körper vorliegt und so ist es nicht möglich diese mit Teststreifen zu messen. Das liegt zum einen daran, dass nur ca. 1 % der Säuren überhaupt erfassbar sind. Der Großteil der Säuren, die über den Urin ausgeschieden werden, liegen nicht in freier Form vor, sondern vorwiegend als Ammoniumionen. Diese chemischen Verbindungen kann ein Indikatorstreifen nicht erfassen!

Indikatorstreifen

Allein aus diesem Grund ist eine Beurteilung, wie es um den Säure-Basen-Haushalt im Allgemeinen steht, nicht möglich. Trotzdem sind diese Messungen nicht unnütz und geben Aufschluss darüber, ob die Säure-Basen-Regulation im Körper funktioniert. Ernährungsbedingt weist der pH-Wert des Harns Schwankungen auf. Eiweißreiche Lebensmittel liefern eher sauren, Obst und Gemüse eher basischen Urin. Den pH-Wert zu messen ist also nur dann sinnvoll, wenn mehrmals täglich gemessen und immer ungefähr das Gleiche gegessen wird. Wichtig ist auch, dass keine Erkrankung der Nieren vorliegt. Unter diesen Voraussetzungen kann ein erster Hinweis auf den Status des Säure-Basen-Haushalts abgeleitet werden.

Anleitung zur pH-Wert Messung

Geeignete Teststreifen gibt es rezeptfrei in der Apotheke oder im Internet. Wichtig ist, dass der pH-Bereich von 5,0 bis 8,0 abgedeckt ist. Die Handhabung der Indikatorstreifen ist teils unterschiedlich, deshalb sollte man auf jeden Fall die Anwendungshinweise in der Packungsbeilage beachten. Die Messungen müssen über mehrere Tage (ca. 5-7) erfolgen, damit man aussagekräftige Werte erhält. Der pH-Wert des Urins ist abhängig von der Tageszeit, dem seelischen Befinden und der Nahrung. Empfehlenswert ist es, ca. sechsmal am Tag zu messen:

  • morgens nach dem Aufstehen (Morgenurin)
  • ca. 1-2 Stunden nach dem Frühstück
  • vor dem Mittagessen
  • ca. 1-2 Stunden nach dem Mittagessen
  • vor dem Abendessen
  • ca. 1-2 Stunden nach dem Abendessen

Die Messungen sollten immer Schwankungen aufweisen. Jede Hauptmahlzeit erzeugt durch die Aktivierung der basischen Verdauungssekrete aus Dünndarm, Leber und Bauchspeicheldrüse ein so genanntes „Basenfluten“. Das bedeutet, dass der pH-Wert ca. 1 Stunde nach dem Frühstück, Mittag und Abendessen in den basischen Bereich geht – anschließend fällt der pH-Wert aber jeweils wieder in einen leicht sauren Bereich ab. Nachts entsteht dann die sogenannte „Basenebbe„, da besonders in der zweiten Nachthälfte die Ausscheidung der Säuren und Gifte auf Hochtouren läuft. So ist es richtig, dass der Morgenurin den sauersten pH-Wert aufweist.

Die Schwankungen sind der Beweis dafür, dass der Körper die Säure-Basen-Regulation im Griff hat. Die individuellen Werte können sowohl niedriger als auch höher ausfallen, sollten sich aber in dem ungefähren Rahmen bewegen.

Wenn der Urin z.B. immer nur basisch wäre, dann hätten die Nieren keine Möglichkeit anfallende Säuren aus dem Körper auszuscheiden. Genauso dürfte der Urin aber auch nicht permanent sauer sein, denn dann würde sich der Organismus in einer Säurestarre befinden.

Unterschiedliche Grafiken

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass im Internet leider die unterschiedlichsten Grafiken kursieren, wie eine gesunde Urin-Kurve auszusehen hat. Das macht es für den Anwender nicht gerade einfacher und kann auch zu Verwirrungen führen. Genauso verhält es sich mit den Aussagen, die dazu getroffen werden. Was bei dem einen bereits als übersäuert gilt, ist bei dem anderen noch ein ganz normaler Wert. Auch wird oftmals nicht darauf hingewiesen, dass ohnehin nur 1% der Säuren in freier Form vorliegen und überhaupt erfasst werden können. Ich hatte diesen Umstand bereits ganz oben im Artikel genauer erklärt. Über eins sind sich aber alle einig, dass eine gesunde Kurve Schwankungen aufweisen muss.

Der Säure-Basen-Test nach Sander

Da eine pH-Wert Messung des Urins nichts darüber aussagt, ob eine chronische Übersäuerung im Körper vorliegt, stellt sich nunmehr eine viel wichtigere Frage: „Wie erkennt man, ob der Körper noch über ausreichend Pufferkapazitäten verfügt, um einem Säureüberschuss vorzubeugen?“

Der Forscher Friedrich Sander hat bereits im Jahr 1953 eine Methode entwickelt, um die Säurepufferreserven des Körpers im Tagesverlauf zu ermitteln. Dafür sammelt der Patient fünf Urinproben zu bestimmen Uhrzeiten. Bereits einen Tag vor der Messung und am Tag der Messung selbst wird protokolliert, was gegessen und getrunken wurde. So lässt sich die genaue Säuremenge aus der Nahrung bestimmen. Aus diesen Werten kann dann der Aziditätsquotient (AQ) errechnet werden. Vereinfacht ausgedrückt wird im Labor die über die Nahrung aufgenommene Säure gegen die Säureausscheidung im Urin gerechnet. Aus diesem Ergebnis lässt sich auf die noch vorhandene Pufferkapazität des Blutes schließen.

Diese Messung kann man zu Hause selbst durchführen und schickt sie anschließend an ein dementsprechendes Labor. Solche Testpakete bekommt man in der Apotheke und im Internet mit ausführlicher Anleitung und der Adresse für ein Labor. Nach ca. 1 Woche bekommt man dann seinen Befund.

Bluttitration nach Jörgensen und Stirum

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch die Säure-Basen-Analyse nach Jörgensen und Stirum erwähnen. Dieses Verfahren dient zur Bestimmung der pH-Wert-Pufferkapazität des Blutes. Es gibt nur wenige Labore in Deutschland, die dieses Verfahren durchführen. In der akademischen Medizin wird stattdessen die herkömmliche Blutgasanalyse angewandt, da sie alle notwendigen Ergebnisse liefert.

Die Blutgasanalyse

Die Blutgasanalyse (BGA) ist ein Diagnoseverfahren, bei dem gemessen wird, wie viel Kohlendioxid und Sauerstoff im Blut enthalten sind. Ein Sauerstoffmangel beziehungsweise ein Kohlendioxidüberschuss machen das Blut „sauer“. Ein Arzt kann so Rückschlüsse auf die Gesundheit des Herzens und der Lunge ziehen.

Für eine Blutgasanalyse wird arterielles Blut entnommen und in speziellen Analyseapparaten ausgewertet. So lassen sich auch Aussagen über den pH-Wert des Blutes und des Säure-Basen-Haushalts treffen. Da verschiedene Erkrankungen den pH-Wert des Blutes senken können, wird diese Untersuchung auch zur Diagnose und Kontrolle von Stoffwechsel- und anderen Erkrankungen eingesetzt.

Diese Untersuchung betrifft aber nur das Blut und nicht die anderen Körperbereiche, wie z.B. den Magensaft, den Dünndarm oder das Bindegewebe. Jeder Bereich hat individuelle pH-Werte, die sich bei einer chronischen Übersäuerung in einen ungesunden Bereich verschieben können. Das bedeutet, dass bereits ein ungesunder pH-Wert z.B. im Magen vorliegen kann und trotzdem ist der Wert des Blutes noch im Normalbereich. Der Körper versucht so lange es irgend geht, den pH-Wert im Blut konstant zu halten. Deswegen ist bei einer Veränderung dessen, das Kind bereits lange Zeit zuvor in den Brunnen gefallen. Die beste Methode zur Feststellung einer Übersäuerung ist das Auftreten von Beschwerden und Krankheiten.

Häufig findet sich in der Literatur das Wort “Azidose“ und wird mit einer Übersäuerung gleichgesetzt. Eine Azidose ist, wie eine Übersäuerung, eine Störung im Säure-Basen-Haushalt. Allerdings bedeutet eine Azidose immer, dass der pH-Wert des Blutes unter 7,35 gesunken ist. Deshalb kann bei einer Blutgasanalyse lediglich eine Azidose festgestellt werden und nicht eine chronische Übersäuerung.

Fazit

  • Eine pH-Messung des Urins kann keinen Aufschluss darüber geben, ob eine chronische Übersäuerung vorliegt – das bedeutet, dass man eine Übersäuerung nicht mit Teststreifen messen kann. Es wird lediglich ermittelt, ob die Säure-Basen-Regulation im Körper funktioniert.
  • Der Säure-Basen-Test nach Sander ist zwar aufschlussreicher durch die Ermittlung der Pufferkapazitäten, kann aber ebenfalls keine Aussage über eine chronische Übersäuerung treffen. So ist auch mit dieser Methode nicht feststellbar, ob z.B. bereits eine intrazelluläre Übersäuerung vorliegt – das heißt, das Zellwasser in der Zelle übersäuert ist.
  • Die Bluttitration nach Jörgensen und Stirum wird so gut wie nicht angeboten, ist aber vergleichbar mit der Blutgasanalyse.
  • Mit der Blutgasanalyse lassen sich genauere Aussagen über den Zustand des Säure-Basen-Haushalts treffen, weil hier auch der pH-Wert des Blutes untersucht wird. Dennoch lässt sich mit der Methode nur eine Azidose und keine chronische Übersäuerung feststellen.
  • Wer nun wissen möchte, ob bei ihm überhaupt eine Übersäuerung (vielleicht sogar schon im chronischem Stadium) vorliegt, kann sich ganz einfach an seinen Beschwerden und Krankheiten orientieren.
  • Mein folgender Artikel Die drei Stoffwechseltypen der Übersäuerung enthält eine Liste mit einer umfassenden Übersicht.

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